06 STIFTUNG ALLGEMEIN
Aufsichtsrat
Mit dem Aufsichtsrat verfügt die Nachwuchsstiftung Maschinenbau über ein zentrales Gremium zur strategischen Begleitung und Weiterentwicklung ihrer Arbeit. Er unterstützt die Stiftung vor allem bei grundsätzlichen Fragen zur Unternehmensplanung, inhaltlichen Ausrichtung sowie bei bildungs- und marktpolitischen Entwicklungen rund um Industrie 4.0 und die digitale Transformation. Gemeinsam mit dem Fachbeirat sorgt er dafür, dass die strategische Ausrichtung der Stiftung konsequent an den Anforderungen der Branche und an den Entwicklungen der beruflichen Bildung ausgerichtet bleibt.
Wechsel an der Spitze
Im Februar 2026 vollzog sich ein Wechsel an der Spitze des Gremiums. Dr. Thomas Schneider, Geschäftsführender Direktor Forschung und Entwicklung bei der TRUMPF Werkzeugmaschinen SE + Co. KG, übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrats. Mit seiner langjährigen Industrieerfahrung, seiner engen Verbindung zu Wissenschaft und technologischer Entwicklung sowie seinem klaren Bekenntnis zur Nachwuchsförderung bringt er wertvolle Impulse für die strategische Weiterentwicklung der Stiftung ein.
Mit dem Vorsitzwechsel endet zugleich eine prägende Phase der Stiftungsarbeit. Peter Bole, Gründer der Nachwuchsstiftung Maschinenbau, hat die Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 2009 maßgeblich aufgebaut und über viele Jahre strategisch weiterentwickelt – zuletzt als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Mit großem persönlichem Engagement, strategischem Weitblick und einem feinen Gespür für die Herausforderungen des Maschinen- und Anlagenbaus hat er die Stiftung zu einem anerkannten Partner der beruflichen Bildung gemacht. Zahlreiche Initiativen – von der Ausbilderförderung über die Zusatzqualifikationen im Bereich Digitalisierung bis hin zur Lernplattform MLS – tragen seine Handschrift und haben bundesweit Wirkung entfaltet.
Der Aufsichtsrat, die Gesellschafter sowie das gesamte Team der Nachwuchsstiftung Maschinenbau danken Peter Bole ausdrücklich für seinen langjährigen, außerordentlichen Einsatz und seine nachhaltige Aufbauarbeit. Sein Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, die Stiftung als starke Brancheninitiative zu etablieren und zukunftsfähig auszurichten.
Dr. Thomas Schneider, Geschäftsführender Direktor Forschung und Entwicklung bei der TRUMPF Werkzeugmaschinen SE + Co. KG.
Welche Motivation Dr. Thomas Schneider mit der Übernahme des Vorsitzes verbindet, welche Rolle qualifizierte Fachkräfte für die Wettbewerbsfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus spielen und welche Erwartungen er an die Unternehmen richtet, erläutert er im Interview.
Herr Dr. Schneider, was hat Sie persönlich bewogen, den Vorsitz im Aufsichtsrat der Nachwuchsstiftung Maschinenbau zu übernehmen?
Wenn ich auf meinen eigenen Weg zurückblicke, sehe ich viele prägende Stationen. Dazu gehören mein Maschinenbau-Studium am Karlsruher Institut für Technologie vor 30 Jahren, Initiativen wie das „Unimobil“, mit dem wir Technik frühzeitig in Schulen gebracht haben, und meine heutige Verantwortung bei TRUMPF. Dort gestalte ich seit vielen Jahren aktiv Chancen für Auszubildende, Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen mit.
Gleichzeitig bin ich der Wissenschaft eng verbunden. Ich halte weiterhin eine Vorlesung am KIT und stehe im intensiven Austausch mit Universitäten wie der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität Stuttgart. Im Rahmen von KITnova arbeiten wir an strategischen Zukunftsthemen wie dem Metaverse und erproben, wie industrielle Anwendungen dort sinnvoll eingesetzt werden können.
Mit unserem neuen TEC (Auszubildende Abteilung bei TRUMPF) schaffen wir zudem einen Ort, an dem Ausbildung, Technologie und Praxis noch enger verzahnt werden. Dort geht es nicht nur um Hightech. Es geht um das konkrete Erleben von Technik und um die Begeisterung, selbst zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.
Was mich antreibt, ist die Überzeugung, dass Begeisterung für Technik nicht erst im Klassenzimmer entsteht. Sie beginnt viel früher. Oft ist es ein einziger entscheidender Moment, eine Erfahrung, ein Projekt oder eine Begegnung, die den Funken überspringen lässt. Genau solche Momente ermöglicht die Nachwuchsstiftung Maschinenbau.
Den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen, ist für mich daher eine konsequente Fortsetzung meines Engagements. Ich möchte jungen Menschen reale Einblicke in Technik und Industrie ermöglichen und auf Erleben statt nur auf Erklären setzen.
Wir erleben eine neue Dynamik im globalen Wettbewerb. Welche Rolle spielen qualifizierte Fachkräfte für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche?
Technologien wie KI, Robotik oder moderne Softwarelösungen prägen viele aktuelle Diskussionen. Doch so leistungsfähig diese Technologien sind, sie bleiben Theorie, wenn wir nicht ausreichend qualifizierte Menschen haben, die sie entwickeln, anwenden und weiterdenken.
Gerade im Maschinenbau ist Innovationskraft untrennbar mit Menschen verbunden. Dazu zählen hervorragend ausgebildete Facharbeiterinnen und Facharbeiter, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie IT-Spezialistinnen und IT-Spezialisten. Ebenso wichtig sind Service-Techniker und Fachkräfte in der Fertigung. Maschinen bauen sich nicht selbst. Produkte entstehen nicht allein durch Algorithmen. Exzellente Fertigung, Montage, Inbetriebnahme und Service vor Ort werden auch in Zukunft hochqualifizierte Fachkräfte benötigen.
Als CTO ist mir das ein zentrales Anliegen. Technologieführerschaft entsteht nicht nur im Entwicklungszentrum. Sie entsteht entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom ersten Entwurf bis zum weltweiten Serviceeinsatz beim Kunden.
Gleichzeitig ist es entscheidend, Ländergrenzen bewusst zu überwinden und Teams international zu vernetzen. Unsere Entwicklerteams arbeiten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, China, Indien und Spanien. Wenn wir dem globalen Wettbewerb wirksam begegnen wollen, gelingt das nur mit einer global vernetzten Antwort. Jeder Standort bringt eigene Stärken und spezifische Herausforderungen mit. Wenn wir diese Stärken gezielt kombinieren und Schwächen im Verbund ausgleichen, entsteht echte Wettbewerbsfähigkeit.
In einer zunehmend von KI geprägten Welt brauchen wir zudem Menschen mit einem guten Verständnis von Zusammenhängen, technologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die Zukunftsbausteine einer Dienst- und Leistungsgesellschaft erfordern genau dieses systemische Denken. Dafür benötigen wir akademisch Ausgebildete ebenso wie hervorragend qualifizierte Fachkräfte. Es geht um ein bewusstes Miteinander.
Welchen konkreten Beitrag soll die Nachwuchsstiftung leisten und was erwarten Sie von den Unternehmen?
Die Nachwuchsstiftung Maschinenbau soll genau die Momente ermöglichen, von denen ich gesprochen habe. Es sind diese entscheidenden Erfahrungen, in denen Begeisterung für Technik entsteht und aus Interesse eine echte Perspektive wird.
Ihr besonderer Mehrwert liegt in ihrer Neutralität. Die Stiftung steht nicht für die Interessen eines einzelnen Unternehmens, sondern für die Attraktivität technischer Berufe insgesamt. Sie macht Lust auf MINT, unabhängig von konkreten Arbeitgebern. Zunächst geht es darum, Begeisterung für das Berufsfeld als Ganzes zu wecken und ein realistisches Bild von Industrie, Technologie und beruflichen Möglichkeiten zu vermitteln, sowohl im Studium als auch in der Ausbildung.
Qualifizierte Nachwuchstalente sind heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Wettbewerb um kluge Köpfe beginnt früh und er wird intensiver. Deshalb sollte die Unterstützung der Nachwuchsstiftung nicht als freiwillige Zusatzaufgabe verstanden werden, sondern als strategische Investition in die Zukunft unserer Branche.
Wenn sich mehr junge Menschen für MINT-Berufe entscheiden, sei es über eine Ausbildung oder ein Studium, profitieren am Ende alle Unternehmen. Ich erwarte daher, dass möglichst viele Verantwortung übernehmen. Das kann durch finanzielle Unterstützung geschehen, durch aktive Mitwirkung an Projekten, durch die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen und durch das Öffnen ihrer Türen für praktische Einblicke.
Wer die Stiftung stärkt, stärkt nicht nur das Gesamtsystem, sondern auch die eigene Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Der Nutzen wird für alle spürbar sein. Für die jungen Menschen, für die Unternehmen und für unseren Industriestandort insgesamt.