04 PROJEKTE

Weiterbildung strukturell verankern

Einblick in die Lernfabrik des KIT, Quelle: Karlsruher Institut für Technologie

Mit dem Projekt „Lernfabriken@BeruflicheBildung“ will die Nachwuchsstiftung Maschinenbau Lernfabriken systematisch für die betriebliche Weiterbildung erschließen und als dauerhafte Infrastruktur für Kompetenzentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau etablieren.

Der Maschinen- und Anlagenbau steht vor tiefgreifenden Transformationsprozessen. Digitale Produktionssysteme, Künstliche Intelligenz, vernetzte Wertschöpfungsketten und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen verändern Qualifikationsprofile nachhaltig. Weiterbildung entwickelt sich damit zu einem strategischen Handlungsfeld der Unternehmen.

Mit dem vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderten Projekt „Lernfabriken@BeruflicheBildung“ verfolgt die Nachwuchsstiftung Maschinenbau das Ziel, Lernfabriken systematisch für die betriebliche Weiterbildung zu erschließen und als dauerhafte Infrastruktur für Kompetenzentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau zu etablieren. Nach dem Projektstart im August 2024 ging es 2025 darum, die Weiterbildungsangebote zu konkretisieren und umzusetzen.

Einblick in die Lernfabrik des KIT, Quelle: Karlsruher Institut für Technologie

Die Produktion als Gesamtsystem erleben

Lernfabriken bilden reale industrielle Prozessketten ab, in denen Maschinen, IT-Systeme, Automatisierung, Datenflüsse und organisatorische Abläufe ineinandergreifen. Wer an einer Weiterbildung in diesem Rahmen teilnimmt, kann die Produktion als vernetztes Gesamtsystem erleben. Gerade im Kontext der digitalen Transformation ist dieser systemische Ansatz entscheidend. Neue Technologien wirken nicht isoliert, sondern verändern Prozesse, Rollenprofile und Entscheidungsstrukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Lernfabriken schaffen hierfür praxisnahe Lernräume.

Um Lernfabriken dauerhaft für die Weiterbildung nutzbar zu machen, wurden gemeinsam mit Projektpartnern skalierbare Konsortial- und Betreibermodelle entwickelt. Im Fokus standen

  • die Definition klarer Rollen- und Verantwortungsstrukturen,
  • die Gestaltung organisatorischer Schnittstellen zwischen Lernorten und Unternehmen sowie
  • die Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Nutzung.

Ziel ist es, Lernfabriken strukturell in betriebliche Weiterbildungsstrategien zu integrieren – insbesondere auch für kleine und mittlere Unternehmen.

 

Unterschiedliche Lernorte vermitteln unterschiedliche Kompetenzen

Parallel wurde eine dreistufige Kompetenzstruktur weiter ausgearbeitet – vom Überblickswissen über die anwendungsorientierte Vertiefung bis zur Expertenqualifikation. Unterschiedliche Lernorte übernehmen dabei komplementäre Rollen:

  • Berufliche Schulen ermöglichen niedrigschwellige Einstiege in digitale Themenfelder.
  • Hochschulen bieten technologische Vertiefung und strategische Qualifizierungen.
  • Innovations- und Demonstrationszentren stärken Transfer und Vernetzung.

Damit entsteht schrittweise ein abgestimmtes Weiterbildungsangebot entlang klar definierter Kompetenzniveaus.

Die konzeptionellen Ansätze wurden 2025 in ausgewählten regionalen Konstellationen weiter konkretisiert:

  • Reutlingen: Gemeinsam mit Innoport, dem Innovationszentrum der Stadt Reutlingen, und der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule wurde ein niedrigschwelliger Zugang zu Themen wie Künstliche Intelligenz und Qualitätssicherung entwickelt. Zielgruppe sind Fachkräfte und Ausbildende, die erste Anwendungsfelder erschließen möchten.
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Die Lernfabrik Globale Produktion wurde in vertiefende Qualifizierungsangebote eingebunden, unter anderem zu Lean & Industrie 4.0, Six Sigma & Data Analytics sowie Smart Factory. Hier stehen technologische Tiefe und die Begleitung komplexer Transformationsvorhaben im Mittelpunkt.

Im nächsten Schritt geht es darum, die unterschiedlichen Lernorte miteinander zu vernetzen, um

  • die Ausbildung, Weiterbildung und Forschung zu verzahnen,
  • Übergänge zwischen Qualifikationsniveaus zu ermöglichen und
  • regionale und überregionale Kooperationen zu stärken.

Damit entsteht eine Infrastruktur, die Unternehmen bei der systematischen Kompetenzentwicklung unterstützt und Transformationsprozesse nachhaltig absichert.

2026 stehen die weitere Pilotierung und Erprobung der entwickelten Betreibermodelle im Mittelpunkt. Ziel ist es, die organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen unter realen Bedingungen zu testen und weiter zu schärfen. Parallel werden die Weiterbildungsangebote entlang der definierten Kompetenzlogik ausgebaut und systematisch evaluiert. Der Fokus liegt dabei auf der Skalierbarkeit der Modelle und der Übertragbarkeit auf weitere Regionen und Lernorte.

Projektpartner

Ansprechpartnerin

Jana Eiser-Mauthner